Interview der BCA mit Maximilian Thaler – Lloyd

Dr. Maximilian Thaler – CFA Managing Director – Senior Fund Manager Equities Lloyd Fonds

Krieg, gestörte Lieferketten, Inflation – Die Märkte werden immer turbulenter. Was können Anleger denn im Moment generell tun?

Momentan bietet sich in der Tat ein schwieriges Börsenumfeld, weil sich die konkreten Auswirkungen und Folgeeffekte der genannten Gegenwinde nur schwer einschätzen lassen. Zudem erschwert die Eintrübung des makroökonomischen Ausblicks die Entscheidungen der Notenbanken, die dieses Jahr schrittweise von der sehr lockeren Geldpolitik der letzten Jahre abkehren wollen. Die Notenbanken laufen nun Gefahr durch eine zu schnelle Zinserhöhung eine Rezession zu begünstigen. Das Portfolio des European Hidden Champions hat unter diesen Brandherden deshalb stark gelitten.

Aufgrund der gestiegenen Unsicherheit sollte es Ziel der Anleger sein ihre Portfolioexposition gegenüber diesen Risikofaktoren zu minimieren. Beispielsweise können Titel mit langer Duration, bei denen der Großteil der Cashflow Generierung erst in ferner Zukunft liegt, abgebaut werden, um die Zinssensitivität zu senken. Außerdem empfiehlt sich eine Erhöhung des Cash Anteils und eine gute Diversifikation über verschiedene Sektoren und Industrien hinweg. Zusätzlich können Unternehmen mit Preissetzungsmacht Schutz vor Inflation bieten.

 

Europa – so scheint es – trägt die Hauptlast des Wirtschaftsembargos gegen Russland. Sollten Anleger überhaupt hier noch aktiv werden?

Ja, denn die Verwerfungen bieten wie immer auch Chancen. Kurzfristig profitieren beispielsweise Unternehmen aus dem Sektor Erneuerbarer Energien, aufgrund der steigenden Energiekosten. Auch einzelne Titel aus dem Valuesegment können im aktuellen Umfeld attraktiv sein, da sich Anleger aus Aktien mit hohen Bewertungsmultiples flüchten. Je stärker sich die Korrektur vollzieht, desto größer sind mittelfristig wiederum die Chancen im Bereich der Zykliker und im Wachstumssegment. Viele der Werte in unserer Fokusliste haben sich bereits von ihren Hochs halbiert. Im Industriesektor gib es Investitionsmöglichkeiten in global marktführende Mittelständler mit zweistelligen Wachstumsraten und einstelligen KGVs, die wir genau beobachten. Sobald der negative Revisionszyklus der Volkswirte und Analysten abgeschlossen ist, sehen wir wieder erhebliches Kurspotenzial. 

 

Nun verfolgen Sie ja einen sehr speziellen Ansatz bzw. eine spezielle Philosophie. Erläutern Sie uns diese bitte.

Der Fokus liegt auf wachstumsstarken und innovativen Mittelständlern im europäischen Raum, die von strukturellen Trends profitieren. Man spricht hier auch von Hidden Champions, also führende Unternehmen in ihren jeweiligen (Nischen-) Endmärkten. Oftmals handelt es sich um globale Marktführer, die trotzdem außerhalb von Industrieteilnehmern relativ unbekannt sind. Die Titelselektion erfolgt nach einem reinen Bottom-Up Ansatz. So wird jedes Unternehmen einer fundamentalen Analyse unterzogen. Entscheidende Kriterien sind dabei beispielsweise Marktpositionierung, Gewinnpotenzial, Bilanzpotenzial, Bewertung und Managementqualität. Wir betreiben explizit kein Markttiming, jedoch wird die Investitionsquote in einer taktischen Bandbreite zwischen 85% bis 100% gesteuert, je nach der Anzahl attraktiver Investitionsmöglichkeiten.

 

Das „Schürfen“ nach Opportunitäten kann allerdings auch Risiken mit sich bringen. Wie begegnen Sie diesen?

Im Zuge des Erfolgs der Anlagestrategie in den letzten Jahren wurde der Fokus zu stark auf Wachstumserwartungen gelegt, was bis Februar 2021 gut funktioniert hat, zwischenzeitlich aber zu insgesamt inflationierten Bewertungen im Wachstums-Nebenwertemarkt geführt hat. Ein allgemeiner Rückgang der Bewertungsmultiples hat gerade diese Wachstumstitel überproportional getroffen. Wir begegnen diesen Entwicklungen durch eine Erhöhung der Diskontierungsrate in unseren Bewertungsmodellen und setzen vermehrt auf Kennzahlen wie Kapitalrenditen und das Free-Cashflow Potenzial in der nahen Zukunft.

 

Welche Voraussetzungen muss ein Unternehmen mitbringen, um von Ihnen in Betracht genommen zu werden?

Fortführend erhoffen wir uns vor allem von sogenannten GARP Titeln einen Alpha-Beitrag. GARP steht für „Growth at a Reasonable Price“, also Wachstum zu einem gerechtfertigten Preis. Der Fokus liegt dabei auf qualitativem Gewinnwachstum und einem integreren und starkem Management, im Verhältnis zu einem fairen Bewertungsniveau.

 

Werfen wir einen Blick auf die Zahlen. Die sind ja durchaus positiv. Was sind aktuell Ihre Alphatreiber?

Seit Auflage des Fonds im April 2019 hat der Fonds zum Stand 30. April 2022 eine annualisierte Rendite von ca. 14.2% erzielt. Die Benchmark, der STOXX Europe Small 200 Net Return Index, weist im gleichen Zeitraum eine annualisierte Rendite von knapp 7.7% auf. Jedoch ist es wichtig zu verstehen, dass wir eine langfristige Anlagestrategie verfolgen und kurzfristige Performanceschwankungen oft wenig Aussagekraft über den langfristigen Erfolg einer Anlagestrategie aussagen. Zuletzt hatten wir mit einer zu hohen Volatilität in den Wachstumswerten zu kämpfen, weshalb die Allokation fortführend reduziert wird. Alphatreiber sind aktuell die Gesellschaften aus dem Sektor Erneuerbarer Energien, die Rückenwind durch den Ukrainekonflikt erfahren, als auch Titel des Rohstoffsektor, die von der Inflation profitieren. Wie bereits erwähnt, erhoffen wir uns auch von GARP Titeln einen starken Performancebeitrag.

 

Lassen Sie uns das Thema Nachhaltigkeit ansprechen: Wie setzen Sie dieses Thema in Ihrem Fonds um und welchen Stellenwert hat es?

Aufgrund der meist schlechteren Datenverfügbarkeit bei gering kapitalisierten Gesellschaften, auf denen der Fokus des EHC liegt, ist der Stellenwert geringer als bei unseren Large Cap Produkten. Nichtsdestotrotz ist das Thema Nachhaltigkeit und ESG im Allgemeinen fester Bestandteil unserer Fundamentalanalyse. So werden insbesondere die Qualität des Managements und Corporate Governance, als auch soziale und ökologische Verantwortung als Faktoren zur Evaluierung von Investitionsmöglichkeiten herangezogen. Im Bereich der Corporate Governance analysieren wir beispielsweise, ob die Vergütung des Managements an die Erreichung langfristiger Ziele gekoppelt ist, die Zusammensetzung des Aufsichtsrats, als auch die Entwicklung der Mitarbeiterzufriedenheit. Die Überwachung von ESG-Kontroversen dient zudem als zusätzliches Instrument des Risikomanagements. Darüber hinaus können Nachhaltigkeitstrends auch zur Identifikation geeigneter Investmentthemen dienen und somit zur Ideengenerierung beitragen.

 

Herr Dr. Thaler. Bitte nennen Sie uns drei Gründe, warum wir Ihren Fonds unseren Beratern empfehlen sollen.

Genauso wie es meine Aufgabe als Portfoliomanager ist in Unternehmen zu investieren, wenn diese in Relation zu fundamentalen Kriterien günstig bewertet sind und einen attraktiven Einstiegszeitpunkt bieten, gilt das gleiche auch für Investments in Aktienfonds, solange diese einen klar definierten und damit quantifizierbaren Themenansatz verfolgen. Da Wachstumstitel im Zuge der Coronakrise teilweise ‚überzogen‘ performt haben, werden diese in der anhaltenden Korrektur entsprechend überzogen abverkauft. Wenn sich Bewertungsniveaus von der fundamentalen Entwicklung nach oben entkoppelt haben, erfolgt anschließend üblicherweise keine direkte Anpassung auf ein faires Bewertungsniveau, sondern zuerst eine Übertreibung nach unten. Dies bietet also auch aus Bewertungssicht wieder Chancen.

Das Portfolio bietet zudem Zugang zu den strukturell interessantesten und innovativsten Mittelständlern im europäischen Raum und kann somit als Benchmark unabhängige Alpha-Beimischung für jedes Portfolio dienen.

Über viele Jahre gesehen weist unser Anlageansatz einen der besten Track Records in der Anlageklasse auf. Somit sollte eine Korrektur des Portfolios für langfristig orientierte Investoren als Chance gesehen werden, auch wenn dies psychologisch schwierig erscheint.

 

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